Myxomatose – überstanden!
Wir haben vier im Haus lebende Zwergkaninchen, die regelmäßig alle 6
Monate geimpft wurden.
„Wurden“ deshalb, weil wir das ab sofort alle vier Monate machen werden.
Am 5. September 2007 war es wieder so weit. Die Impfung stand an.
Wir sind zu einem TA in unserem Ort gegangen, weil wir dachten, dass man
bei einer
Impfung nichts falsch machen kann. Falsch gedacht!
Lucky hatte bereits am 3. September eine kahle Stelle zwischen Auge und Ohr.
Der TA hat sich das angesehen und für unwichtig befunden, weil auch keine
Entzündung vorlag.
Er impfte zuerst Sally, die nicht erkrankte, anschließend Lucky und dann
Molly und Nicky.
Alle Tiere mit der gleichen Nadel. Impfstoff: Cunivak Myxo
Am 11.9. hatte Lucky ein entzündetes Augenlid. Zuerst habe ich mir in
meiner Unwissenheit
darüber keine Gedanken gemacht.
Myxo kannte ich nicht und Sally hat Lucky
schon häufig
mal wunde Stellen geleckt.

Lucky zu Beginn der Krankheit
Zwei Tage später, am 13.9., entdeckte ich die gleichen rot entzündeten
Augen bei Molly und Nicky.

Nicky zu Beginn der Krankheit

Molly zu Beginn der Krankheit
Mit allen vier Tieren bin ich wieder zum Ortstierarzt.
Dieser hat gleich Myxomatose diagnostiziert.
Auch die Genitalien waren bereits leicht geschwollen.
Deshalb konnte kein Zweifel bestehen.
Er spritzte ihnen Baytril, ein Breitbandantibiotikum und Vitamine.
Sally war klinisch unauffällig und wurde nicht behandelt.
Am 15.9. wurden Antibiotikum und Vitamine wiederholt gespritzt.
Inzwischen hatte ich mich im KT durch sämtliche Myxo-Themen gelesen und mich
gewundert, dass der TA alle zwei Tage eine Spritze für ausreichend befand.
Also sind wir am 16.9. zur Tierklinik Potsdam gefahren.
Das Urteil des diensthabenden Arztes war vernichtend.
Molly und Nicky, die bereits beide Schnupfen hatte, wollte er sofort
einschläfern.
Wir wollten das nicht, sondern bestanden darauf, sie zu behandeln.
Wir bekamen Baytril für 5 Tage und Posifenicol 1% Augensalbe.
Der Arzt sagte: „Versuchen Sie es, aber die Krankheit wird uns einholen.“
Am 18.9. war dann auch Lucky stark verschnupft.
Nach und nach kamen Beulen am ganzen Kopf dazu, ebenfalls an den Beinen
und auch am Körper. Molly verlor im ganzen Gesicht das Fell und an beiden
Hinterbeinen.
Die Beulen sollten nicht behandelt werden. So trocknen sie schneller ab.
Falls Eiter ausläuft, nur mit warmem Wasser abwaschen.
Folgende Bilder entstanden, als die Beulen bereits abheilten.



Nur Baytril war definitiv zu wenig, um die Krankheitssymptome zu lindern.
Das wurde uns ganz schnell klar.
Der Schnupfen wurde immer schlimmer und Molly hat zwei ganze Wochen
ausschließlich
durch den Mund nach Luft geschnappt.
Mehrmals wollte ich aufgeben, aber
mein Mann war
zuversichtlich,
dass sie es dennoch schaffen wird.
Während der ersten Zeit haben wir den Raum ziemlich warm gehalten und auf
die Heizungen
Schälchen mit Wasser und Chinaöl sowie Teebaumöl gestellt.
Außerdem haben wir Dampfbäder mit Kamille und Emsersalz (im Wechsel) gemacht.
Die Drei hatten hohes Fieber und haben sich immer ganz nah an die Heizung
gesetzt.
Auch wenn Kaninchen eigentlich kühle Luft besser vertragen, haben wir die
Erfahrung
gemacht, dass feucht-warme Luft bei Schnupfen und Fieber hilfreich ist.
6 Wochen lang haben wir unsere Pelzgesichter max. 3 Stunden am Tag allein
gelassen.
Gearbeitet haben wir nur noch im Wechsel.
Alle zwei Stunden, auch nachts, haben wir ihnen mit Wattestäbchen und
lauwarmem
Wasser die Näschen frei gemacht.
Gegen die verstopften Nasen haben wir anfangs bis zu 8 x täglich
Nasentropfen für Säuglinge genommen,
nach ca. 3 Wochen nur noch morgens und
abends und nach 4 Wochen
war das endlich gar nicht mehr nötig.
Wir haben mehrere Durchgänge mit Engystol gemacht (5 Tage-Kur, 5 Tage
Pause, wiederholt).
Die Ampullen eignen sich dafür am besten. Dieses Mittel ist homöopathisch und
stärkt das Immunsystem.
Bisolvon-Tabletten gab es außerdem. Diese verflüssigen den Schleim und
helfen somit,
eine Lungenentzündung zu verhindern.
Contramutan-Saft für Kinder wirkt gegen Fieber und Erkältungskrankheiten,
Multibionta-Tropfen, nur 1 bis 2 täglich, sind ebenfalls gut fürs
Immunsystem.
Außerdem schmecken sie den Kaninchen sehr gut. Medikamente, die sie gar nicht
mögen, kann man mit einem Tropfen vermischen und dann schlabbern sie das
weg.
Bene Bac (in Pulverform, mit etwas Wasser vermischt) haben die Kaninchen
zusätzlich
zum Antibiotikum bekommen, um die Darmflora einigermaßen in Schuss zu halten.
Insgesamt haben wir 6 Wochen mit 2 x 5 Tagen Pause Baytril gegeben.
Diese Fotos sind vom 18.10.07


Wir hatten das große Glück, dass keines unserer Tiere das Fressen
eingestellt hat.
Damit haben sie noch einen Lebenswillen gezeigt, den wir mit allen Mitteln
unterstützt haben.
Nach 7 Wochen – und natürlich etlichen Tierarztbesuchen – wurde der
abschließende
Gesundheitscheck gemacht.
Und – sie sind gesund. Die Lungen frei, das war
die Hauptsache.
Obwohl wir mehr als 30 Minuten pro Fahrt unterwegs sind, gehen wir wieder
zu der
Gemeinschaftspraxis in Berlin-Spandau, Neumeisterstraße, wo wir schon seit
über 20 Jahren
unsere Tiere behandeln lassen und wir waren immer sehr zufrieden.
Heute, am 7.11.07, sehen sie schon wieder fast aus wie neu


Nicky schnupft noch immer etwas, bekommt dagegen jetzt Sinupret.
Ein rein pflanzliches Mittel ohne Nebenwirkungen.
Jeweils eine Tablette morgens und eine abends.
Das bekommen wir jetzt auch noch in den Griff.
Nach Ablauf eines halben Jahres muss wieder geimpft werden.
Die Viren bleiben ca. ½ Jahr aktiv, sind so lange auch auf andere Tiere übertragbar.
Myxomatose-Patienten sind weder lebenslang immun noch lebenslang krank.
Man muss schon sehr genau abwägen, ob man versuchen möchte,
das Tier über den Berg zu bringen oder es lieber von seinem Leiden erlöst.
Jeder sollte sein Kaninchen gut genug kennen, um die richtige
Entscheidung treffen zu können.
Wir haben eine Zeit durchgemacht, noch ziemlich zu Beginn der
Krankheit,
zu der alle drei Tiere deutlich weniger gefressen haben als üblich.
Sicherlich könnte man in dem Fall mit Critical Care oder Babybrei zufüttern.
Man sollte niemals sofort aufgeben, aber das Tier auch nicht quälen,
wenn man der Meinung ist, dass es nicht mehr geht.
Zu dem Versuch, Myxomatose zu behandeln, kann ich allerdings nicht raten,
ohne dazu zu sagen, dass eine knallharte Zeit auf Tier und Mensch zukommt.
Oft ist man verzweifelt, die Krankheit bringt ein ewiges Auf und Ab.
Trotzdem – ich würde immer wieder eine Behandlung anfangen.
Denn ich kann jetzt sagen: Wir haben die Krankheit eingeholt!
Kein Medikament wurde ohne Absprache mit dem TA verabreicht.
Um Gewichtsverlust zu vermeiden, haben wir ihnen alles gegeben, was sie
gern mögen.
Dazu gehörte u.a. das ungesunde, getreidehaltige
Trockenfutter, Hirse, getrocknete Kräuter
(Echinacea, Kamille, Minze,
Schafgarbe u.a.)
und -vitaminreich und appetitanregend- mindestens
15 Bund Dill, 2 Bund
Petersilie und 1 Topf Basilikum pro Tag.
In diesem Fall ist völlig egal, was sie fressen, sie müssen bei Kräften
bleiben.
Inzwischen sind wir dabei, wieder auf ausschließlich gesunde Ernährung
umzustellen.
Simone W.-H.